Neues aus der Wissenschaft II 2009 Glaukom

Neues aus der Wissenschaft - Beiträge 2009

Bali-Kongress-Nachrichten vom Mai 2009:

 

Beim Sekundärglaukom beim Diabetes wurde in erster Linie die Behandlung mit Betablockern, sofern keine Kontraindikation besteht, empfohlen. Vorsicht hielt man geboten für die Therapie mit den unterschiedlichsten Prostaglandinen. Pilocarpin hielt man für kontraindiziert.

 

Interessant war, dass Herpesviren in nicht seltenen Fällen beim Sekundärglaukom, aber auch beim sog. PEX-Glaukom (Pseudoexfoliations-Glaukom) eine Rolle spielen. Man fand nicht nur Herpesviren, sondern auch Cytomegalieviren bei vielen Sekundärglaukomen im Kammerwasser. Als Ursache für das Sekundärglaukom in diesen Fällen vermutet man, dass Herpesviren eine Regenbogenhaut- und Trabekelmaschenwerkentzündung bewirken und damit der Augeninnendruck ansteigt.

 

In der Konzens-Vorlesungsreihe wurde beim asymptomatischen Engwinkel-Glaukom die klassische Behandlungsfolge genannt:

 

  1. die YAG-Lasertherapie
  2. die medikamentöse Therapie und
  3. die chirurgischen Maßnahmen.

 

Dabei wurde insbesondere die Trabekulektomie hervorgehoben, andererseits aber auch die anderen üblichen chirurgischen Maßnahmen.

Als Therapie der Wahl beim akuten Engwinkelglaukom wurde die medikamentöse Gabe von Prostaglandinen als die beste Therapie hervorgehoben. Unbedingt sollte eine Laseriridotomie im zweiten Auge vorgenommen werden, um den Kammerwinkel zu eröffnen. Als Ergebnis wurde angegeben, dass trotz dieser Maßnahmen bei über 90% eine zusätzliche lokale Medikation notwendig war und über 50% der Patienten dennoch eines weiter gehenden chirurgischen Eingriffes bedurften (unabhängig von der Lasertherapie).

 

Ein Autor konnte nachweisen, dass eine signifikante Korrelation zwischen Information über die Erkrankung und Patienten-Compliance bei Glaukom-Patienten wirkt, d. h. je besser ein Patient über seine Erkrankung informiert ist, umso konsequenter und zuverlässiger nimmt er seine Therapie und trägt damit zur Stabilsierung seines Krankheitsbefundes bei1.

 

Mehrere Autoren äußerten sich über Wirksamkeit des Ahmed-Implantates und wiesen mit Hilfe des Implantates nach, dass eine Senkung des intraokularen Druckes möglich war 2,3,4



1 Fifin Rahni et al. The correlation between knowledge and compliance of glaucoma patients during therapy

2 Ongkeko-Perez  J et al. Clinical experience of Ahmed glaucoma valve implant using lamellar scleral flap as autologes patch draft

3 Zhuo Y et al. Efficacy and safety of Ahmed glaucoma valve implantation in refractory glaucoma

4 Wei Y et al. Efficacy and safety of Ahmed glaucoma valve implantation in refractory glaucoma

 

 


Inzwischen kann man zwar noch im experimentellen Stadium mittels eine speziellen OCT-Technik eine Nervenanalyse durchführen, dies gibt Hoffnung, dass man mittels dieser nicht invasiven Lasertechnik einen frühen Untergang von retinalen Ganglien (Nervenzellen) beim Glaukom feststellen kann. Ebenso erhofft man sich daraus relativ früh den Zelluntergang von retinalen Zellen feststellen zu können (Abruptose). Mit dieser Methode kann man evtl. auch einmal einen frühen Zelluntergang von Gehirnzellen feststellen.

 

Mittels der oben genannten OCT-Technik konnte ein sichtbarer Einfluss eines erhöhten Augeninnendruckes auf die Hornhautstruktur bei Schweinehornhäuten gezeigt werden. Dabei war die Hornhautstruktur bei hohem Augeninnendruck gegenüber normalem Augeninnendruck verändert.

 

Auf dem Kongress der Asia-Pacific Academy of Ophthalmology auf Bali wurde ein preservative-free (konservierungsmittelfreies) Latanoprost (unter dem Namen Glaopen) in Kombination mit Timolol (unter dem Namen Glaoplus von der Fa. Cendo) in Einmalophtiolen vorgestellt. Die Einmalophtiolen sind verschließbar.

 

Ein Präparat, das ursprünglich zur Behandlung der fortgeschrittenen altersbedingten Makuladegeneration eingesetzt wurde, das Anecortaveacetat kann evtl. das erste Glaukompräparat werden, das nur einmal alle drei Monate gegeben werden muss. Das Medikament wird unter die Bindehaut gespritzt. In einer kleinen Fallstudie mit

8 Augen von 7 Personen war der Augeninnendruck angestiegen, nach einer intravitrealen oder subtenonalen (unter die Lederhaut) Injektion von Triamcinolon oder anderem Kortisonpräparat. Zur Drucksenkung erhielten diese Personen Anicortatacetat, nach einer örtlichen Betäubung. Der Augeninnendruck wurde wöchentlich während des ersten Monats und dann monatlich innerhalb eines ganzen Jahres gemessen. Es konnte nachgewiesen werden, dass Anicortatacetat den erhöhten Augeninnendruck aufgrund der Kortisongaben senken konnte5. Da bei diesen Patienten die Compliance, das ist die Zuverlässigkeit der Anwendung der angewandten Therapie, eines der größten Probleme bei chronischen Erkrankungen wie Glaukom ist, wäre dies eine möglicherweise erfolgreiche Therapie.

 

 


5 Ophthalmology Times Europe May 2009