Neues aus der Wissenschaft II 2009 AMD
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 17. Juli 2009 um 14:23 Uhr
Neues aus der Wissenschaft - Beiträge 2009
Bali-Kongress-Nachrichten vom Mai 2009:
Weit Übereinstimmend waren die Referenten auf dem Kongress der APAO/AAO (Asia-Pacific Academy of Ophalmology / American Academy of Ophthalmology) der Auffassung, dass nach einer dreimaligen Aufladungsphase mit einem VEGF-Hemmer (Lucentis, Avastin, Macugen) eine monatliche bzw. 6-wöchige weitere Injektion nicht mehr nötig ist, sondern die Zwischenräume je nach Bedarf verlängert werden können. Allerdings forderte man eine monatliche augenärztliche Kontrolle, um rechtzeitig eine Verschlechterung zu entdecken und entsprechend rechtzeitig zu therapieren.
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Forscher von der Universität Melbourne konnten nachweisen, dass sich ein positiver Zusammenhang zwischen einem hohen Konsum von frischem sowie verarbeitetem rotem Fleisch und einer früher altersbedingten Makuladegeneration ergab. Der Konsum von Hühnerfleisch im Rahmen von 3 ½ Mahlzeiten im Vergleich zu weniger als 1,5 Mahlzeiten wöchentlich kehrte den Trend um und zeigte einen gegenteiligen Effekt auf späte Formen dieser Erkrankung. Die Studie wurde an 6.734 Probanten im Alter zwischen 58 und 69 Jahren durchgeführt. Dabei wurden Alter und Rauchverhalten sowie andere Störfaktoren mit eingerechnet[1].
Mehrere Referenten berichteten über laufende Studien, in denen nicht nur die VEGF-Hemmer (Avastin, Lucentis, Macugen) alleine gegeben wurden, sondern in Kombinatin mit der Photodynamischen Therapie mit Triamcinolon (Volon A) und beim Diabetes mellitus auch mit der Lasertherapie. Es scheint sich heraus zu kristallisieren, dass die Gabe der VEGF-Hemmer vor weiteren Eingriffen, auch in Kombination mit chirurgischen Methoden, evtl. Injektionen erforderlich sind und dennoch bessere Ergebnisse erzielt werden. Dies wäre im Hinblick auf die Endophthalmitis (schwere entzündliche Reaktion im Auge), dass als Folge die Injektionen reduziert werden könnten.
Die Omega-Studie, die auf 24 Monate ausgelegt wurde, ergab in einer Interimsanalyse nach 12 Monaten, dass OT-551 tendenziell einen moderaten Sehschärfenverlust verhindern konnte. In die Studie inbegriffen waren Patienten mit geographischer Atrophie (großflächiger Untergang der zentralen Netzhaut) oder fortgeschrittener trockener altersbedingter Makuladegeneration, von denen die eine Gruppe Placebo und die andere Gruppe das Medikament erhielt. Diese Augentropfen reduzierten den oxidativen Stress und Entzündungsvorgänge und konnten an dem hinteren Augenpol bei mehreren Tierarten eindringen. OT-551 scheint ein in Augentropfenform gegebenes Medikament zu sein, das im Tierversuch einen dosisabhängigen Schutzeffekt auf die Fotorezeptoren der Netzhaut hat[2].
Im Rahmen einer anderen Studie wurden Patienten teilweise mit Fenretinide wahlweise mit Placebo behandelt. Dabei zeigte sich, dass bei der geographischenAtrophie als Variante der trockenen altersbedingten Makuladegeneration ein Wachstum der Läsionsgröße erreichte.
Möglicherweise kann eine Frühbehandlung mit Fenretinide eine Verschlechterung verhindern[3]. Das Fenretinid als Vitamin A-Derivat vermindert den Retinolspiegel im Blut. Dies führt zu einer Reduktion der Bioverfügbarkeit von Retinol, einem wichtigen Stoff im Sehprozess (in den retinalen (= Netzhaut) Pigmentepithelzellen-Photorezeptoraußensgmenten). Dadurch wird die schädliche Anhäufung von toxischen Bestandteilen des Lipofuszin vermindert, die das Fortschreiten der altersbedingten Makuladegeneration fördern.
Inzwischen befindet sich ein weiteres Medikament zur Therapie der feuchten altersbedingten Makuladegeneration in einer fortgeschrittenen Untersuchungs-stadium, das sog. VEGF-Trap in einer Phase III-Studie namens VIEW 1 in den USA und Kanada schon seit August 2007 erprobt, in Europa werden Patienten für die Phase III-Studie  VIEW 2 eingeschlossen. VEGF-Trap hat eine hohe Affinität zu dem VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor), der das Gefäßwachstum fördert[4].
In diesen Studien wird VEGF-Trap-Eye gegen die Standarddosis Ranibizumab (Lucentis) 0,5 mg monatlich getestet.
In der sog. COBALT Phase III-Studie wird ein weiteres Medikament, das sog. Small Interfering RNA (SI-RNA) getestet. Dieses Medikament ermöglicht eine Blockade der Produktion von Eiweißstoffen wie VEGF durch Hemmung der sog. Transkription, das ist ein Schritt in der Entstehung dieses Proteins[5] (Eiweiß).
Des Weiteren sind mehrere Wirkstoffe in der klinischen Erprobung aus dem Bereich der sog. Tyrosinkinase-Hemmstoffe. Diese wirken nicht am Rezeptormolekül wie VEGF-Hemmstoffe, sondern eine Stufe weiter an der vaskulären Endothelzelle (Gefäßinnenhautzelle). Sie wird aktiviert, wenn VEGF sich am Rezeptormolekül anlagert[6].
Die sog. „Visual Cycle Modulators“ sind Substanzen, die am Vitamin A-Sehzyklus beteiligt sind. Studien hierzu zur Behandlung der trockenen AMD befinden sich allerdings noch in Phase I.
Im Rahmen der GATE-Studie (Phase II) werden Patienten mit Augentropfen über 2 Jahre mit einem selektiven Serotonin-1A-Agonisten behandelt (Serotonin ist ein Neurohormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus beeinflusst und auch als „Glückshormon“ bezeichnet wird). Zuvor hatte man in Tierversuchen zeigen können, dass photo-oxidative Netzhautschäden nicht diese Substanz über einen dosisabhängigen Schutz der Photorezeptoren und retinalen Pigmentepithelzellen verhindern werden konnten[7].
Eine weitere Technik besteht darin, das sog. NT-501 ins Augeninnere zu implantieren. NT-501 enthält menschliche Zellen, die gentechnisch so verändert wurden, dass sie den sog. Ciliary Neurotrophic Factor (PNTF), das ist eine Substanz, die die Ciliarnerven ernährt, abgibt. In einer großen Studie am Patienten mit trockener altersbedingter Makuladegeneration inklusive Spätstadium der geographischen Atrophie konnte nachgewiesen werden, dass Patienten weniger Sehverlust hatten als die, die kein Medikament erhielten. Außerdem konnte mit Hilfe des OCT eine Strukturveränderung in der Makula nachgewiesen werden, im Sinne einer Zunahme der Dicke der Netzhaut und der äußeren Kammerschicht (eine der Schichten in der Netzhaut). Erfreulicherweise gab es keine nennenswerten Nebenwirkungen.
[1] American Journal of Epidemiology, 2009; 169 (7:867-876)
[2] Retina today, April 2009
[3] Retina today, April 2009
[4] Ophthalmologische Nachrichten, April 2009
[5] Ophthalmologische Nachrichten, April 2009
[6] Ophthalmologische Nachrichten, April 2009
[7] Ophthalmologische Nachrichten, April 2009
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