September 2006
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 28. September 2010 um 19:24 Uhr
Neues aus der Wissenschaft - Beiträge 2006
Glaukom - Alternative Behandlungsmehtoden
In einer Studie, bei der Kaninchen Akupunkturnadeln an definierte Punkte gesetzt wurden, kam es nach einer einstündigen Elektrostimulation zu einer Senkung des introkularen Augendruckes bei gleichzeitiger Reduktion des Blutdruckes und der Flussrate des Kammerwassers. Außerdem kam es zu einer Erhöhung eines Endorphines im Kammerwasser (derzeit wird sehr viel über unterschiedliche Endorphine geforscht, die möglicherweise auch beim Glaukom eine Rolle spielen).
In einer weiteren Studie wurde an 11 weiblichen und 7 männlichen Patienten eine standardisierte Akupunkturbehandlung durchgeführt. Sie zeigten einen signifikanten Abfall des mittleren Augeninnendruckes.
Eine weitere Studie bei der chinesischen Ohrakupunktur, koreanischen Handakupunktur und Placebonadelung verglichen wurden zeigte einen signifikanten Anstieg des Blutflusses in der Arteria ophthalmica während der Akupunktur. Einer weiteren Studiengruppe konnte durch Messungen mit dem Heidelberg Retina Fluorometer nachgewiesen werden, dass der chorioretinale (Aderhaut und Netzhaut) Blutfluss verbessert wurde, wohl aufgrund einer relativen Reaktion des parasympathischen Nervensystems durch die Stimulation der Akupunkturpunkte.
In zwei weiteren Studien konnte an insgesamt 3 Patienten ein signifikanter Anstieg des mittleren Blutflusses in hirnversorgenden Arterien nachgewiesen werden. Dieser Effekt wirkte auch noch nach, nachdem die Nadeln entfernt wurden.
In verschiedenen anderen Studien wird allerdings betont, dass die Akupunktur keineswegs die Schulmedizin oder Chirurgie in der Augenheilkunde ersetzen kann. Sie scheint, wie bereits in Studien aus der Würzburger Universitätsaugenklinik Ende der 70er Jahre gezeigt, allerdings geeignet zu sein als zusätzliche Therapie den Augeninnendruck etwas zu senken und so unterstützend zu wirken.
Im nächsten Mitgliederinfo werde ich Sei ausführlich über die Musik- und Entspannungstherapie informieren.
Makuladegeneration
Bei der trockenen Form der altersbedingten Makuladegeneration ist man weitgehend noch hilflos, bis auf die Therapie gemäß AREDS Studie. Bei der feuchten Makuladegeneration gibt es jedoch seit mehr als 30 Jahren gewisse Therapieansätze. Obwohl diese Form der Erkrankung nur 10% der AMD-Erkrankungen ist, erblinden 90% der Betroffenen. Die feuchte Makuladegeneration entsteht weil im Bereich der Makula ein unerwünschtes Gefäßwachstum entsteht, die sog. chorioretinalen Neovaskularisationen. Während man bei der diabetischen Retinopathie durch eine Laserkoagulation über die gesamte Netzhaut die Erblindungsrate um fast 90% senken kann, hilft diese Therapie bei der altersbedingten Makuladegeneration nicht, vielmehr ist die Rezidivneigung sehr hoch und es werden gesunde Netzhautareale im Makulabereich zerstört.
Hilfreich ist in vielen Fällen die Photodynamische Therapie mit Verteporfin, insbesondere bei folgenden Neovaskularisationen:
- überwiegend klassische subfoveale (subfoveal = unter der Stelle des schärfsten Sehens) CNV
- minimal klassische subfoveale CNV
- okkulte subfoveale CNV
Auch bei der krankhaften Kurzsichtigkeit kann die Photodynamische Therapie hilfreich sein.
Ein völlig neuer Therapieansatz sind die VEGF-Hemmer (Vascular Endothelial Growth Factor), ein Protein, das sowohl die Gefäßneubildung als auch die Gefäßdurchlässigkeit erhöht. Bei einer krankhaften Produktion dieses VEGF kommt es zu einem Austritt von Blutflüssigkeit, der sog. feuchten Makuladegeneration. Insbesondere die isoforme VEGF 165 ist am meisten bedeutsam für die Entstehung einer altersbedingten Makuladegeneration oder einer diabetischen Retinopathie. Ein neues Medikament, das Pegaptanib hemmt spezifisch dieses VEGF. Andere Präparate wie das Bevacizumab, das z. B. als Hemmer des Gefäßwachstums bei metastasierendem Darmkrebs gilt, blockiert alle Formen des VEGF.
Für das Ende Januar zugelassene und jetzt auf dem deutschen Markt erhältliche Macugen gibt es Studien, denen zufolge das Medikament bei allen angiographischen Subtypen wirkt (die genaue Differenzierung der Ursache der feuchten altersbedingten Makuladegeneration erfolgt durch die sog. Fluoreszenzangiographie, eine Gefäßdarstellung der Netzhaut- und Aderhautgefäße).
Erfreulicherweise gibt es bei der Injektion dieses Medikamentes in den Glaskörper nur wenige Komplikationen. Die Gefahr einer Entzündung im Augeninnern ist auf ca. 0,03% pro Injektion gesenkt worden. Netzhautablösungen und traumatischer Grauer Star ist nur ganz selten aufgetreten, eine Augeninnendruck gibt es nicht. Im Gegensatz dazu gibt es in fast 50% der Fälle nach intravitrealer Injektion eines Kortisonpräparates eine zum Teil schwer beherrschbare Augeninnendrucksteigerung und Ausbildung eines Grauen Stars.
Nach derzeitigem Kenntnisstand muss das Präparat bis zu 2 Jahre gespritzt werden. Schon nach den ersten Injektionen zeigte sich in den Studien ein deutlicher Anstieg und Erhalt der Sehschärfe.
gez.
Dr. Gudrun von Thun-Blaul
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