Dezember 2007
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 28. September 2010 um 19:22 Uhr
Neues aus der Wissenschaft - Beiträge 2007
Glaukom
Neuerdings ist bekannt geworden, dass es einen Zusammenhang zwischen dem arteriellen Blutdruck mit dem Augeninnendruck gibt, so dass Stress, der zu chronisch erhöhtem Blutdruck führt, auch eher mit einem leicht erhöhten Augeninnendruck zusammenhängen kann.
Wie weit der Zusammenhang mit Blutdruck und Hirnwasser/Hirndruck als eigentlichem Trans lamina-cribrosa-Gegendruck eine Rolle spielt, ist bisher spekulativ (Lamina cribrosa ist eine siebartige Struktur im Sehnerven). Man diskutiert, ob die Anspannung der Lider und die Erhöhung des episkleralen (Lederhaut-nah) Venendruckes für einen gewissen Valsalva-Effekt (bei zugehaltener Nase und geschlossenem Mund Luft ins Ohr drücken = Druckausgleich) eine Rolle spielen neben weiteren zum Teil nicht erforschten Faktoren. So ist z. B. zu Beginn einer stationären Behandlung der Augeninnendruck wohl aufgrund durch den erhöhten Stress höher als im Verlauf des stationären Aufenthaltes.
In einer Studie wurde der Zusammenhang zwischen der Oberflächentemperatur des Auges und mit den Farbdoppler-Parametern gefunden. Dies unterstützt die Hypothese, dass retrobulbär (hinter dem Augapfel) vorhandene hämodynamische (Blutzirkulation) Faktoren diese Oberflächentemperatur beeinflussen. Es kann auch sein, dass die Oberflächentemperatur, die mit einer nicht-invasiven Technik gemessen werden kann, evtl. ein indirekter Marker einer schlechter Perfusion (Durchblutung) des Sehnerven ist.
Die Behandlung mit Dorzolamid (Trusopt) bewirkte in einer kontrollierten Studie eine signifikante Zunahme der zenralen Hornhautdicke bei Patienten mit sog. Cornea guttata (eine Hornhautveränderung).
Eine Pilotstudie stellte fest, dass man mit einem neuartigen Gesichtsfeld, einem 3-D computergesteuerten Wellenamsler-Gesichtsfeld, immerhin bei 79% von Glaukomverdächtigen bereits einen Gesichtsfeldverlust finden konnte. 29% dieser Augen zeigten eine konzentrische Einschränkung, 71% einen bogenförmigen Defekt oder eine sog. nasalen Sprung (letztere sind glaukomtypsich).
Die optimalen Diagnosetechniken und Geräte bei Glaukom sind Folgende:
- Tonometrie (Augeninnendruckmessung). Die Bestimmung des Augeninnendruckes ist die Untersuchung, die am häufigsten zur Aufdeckung eines Glaukoms führt
- Biomikroskopische Untersuchung des Sehnerven und der Sehnervenfasern
- Untersuchung des Sehnerven und seiner Umgebung mit der Spaltlampe und Lupensystem – zählt zur unabdingbaren Grunduntersuchung neben der Messung des Augeninnendruckes bei Diagnose und Verlaufskontrolle des Glaukoms
- Heidelberg Retina Tomogramm (HRT), die sog. konfugale Laserscanning-Tomographie dient der präzisen Vermessung in dreidimensionaler Darstellung des Sehnervenkopfes
- Frequenzverdopplungs-Perimetrie (FDT). Diese Perimetrie untersucht das Gesichtsfeld, das beim Glaukom frühzeitige Defekte aufweisen kann. Eine spezielle Lichttechnik untersucht die Funktionsfähigkeit einzelner Bereiche der Netzhaut genauer als die übliche Gesichtsfeld-Untersuchung
- GDX Nervenfaserpolorimetrie. Dies ist eine Untersuchung zur präzisen Beurteilung der Nervenfaserschicht am Augenhintergrund, beim Glaukom ist sie zunehmend ausgedünnt
- Optisches Kohärenz-Pachymeter (OCP). Die Dicke der Hornhaut muss für die exakte individuelle Beurteilung des gemessenen Augeninnendruckes berücksichtigt werden. Mit dem OCP geschieht dies berührungslos
- Topographie. Das Topographiegerät vermisst den vorderen Augenabschnitt präzise und liefert vielfältige Daten, z. B. auch die Vorderkammertiefe
- Tiefenpentacam. Neben der Tiefenmessung der vorderen Augenkammer kann man mit diesem Gerät die Hornhautdicke- und wölbung messen und auch die Dichte der Augenlinse beurteilen.
Altersbedingte Makuladegeneration
In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass Menschen, die eine sehr hohe Menge von C-reaktiven Protein im Blut haben, ein viermal so hohes Risiko u.a. für AMD haben. Diese Studie unterstützt die Hypothese, dass entzündliche Prozesse bei der altersbedingten Makuladegeneration eine Rolle spielen (C-reaktives Protein ist z. B. bei Herzinfarkt, aber auch bei rheumatischen Erkrankungen erhöht). Auf der ARVO, einer großen internationalen augenärztlichen Tagung, wurde gezeigt, dass Patienten, die Lucentis erhielten, innerhalb von einer Woche ein Abschwellen des Makulaödems hatten. Das Makulaödem war aufgrund eines Venenverschlusses in der Netzhaut entstanden.
Die FDA (Food and Drugs Administration), das ist die maßgebliche Instanz in USA für Medikamente, hat eine Stellungnahme zu Avastin abgegeben. Danach hat die FDA die Herstellerfirma GenonTech nicht aufgefordert, den Verkauf von Avastin Apotheken zu stoppen, der FDA hat auch keine Maßnahmen unternommen, um den Off-Label-Use (1) von Avastin zu begrenzen. Der FDA stand in Diskussion mit der Herstellerfirma wegen der möglichen Entwicklung und Aufarbeitung von Avastin bei augenärztlichen Diagnosen. Der FDA verfolgt weiterhin die Nebenwirkungen dieses Off-Label-Use , wobei diese vergleichbar denen mit Lucentis sind. Der FDA stellt fest, dass Avastin ein steriles Produkt ist und sein Off-Label-Use bei ophthalmologischen Erkrankungen manchmal eine Wiederverpackung von Avastin in kleinere Dosen notwendig ist, was ein erhöhtes Risiko von Produktkontermination bedeuten kann.
Zwischenzeitlich hat die Herstellerfirma ihren Schritt teilweise zurück genommen und erlaubt den Apotheken vom 30.11.2007 bis 01.01.2008 weiterhin, das Medikament weiterhin zur Verfügung zu stellen.
Eine erste kontrollierte Studie konnte zeigen, dass die Therapie mit Avastin bei der feuchten Makuladegeneration der Therapie mit der Photodynamischen Therapie bereits nach der ersten oder zweiten Injektion überlegen war und der Effekt 3,2 Monate anhielt.
Eine weitere frühe Studie konnte zeigen, dass Avastin das diabetische Makulaödem besser reduzieren konnte als bei Patienten, die eine fokale Laserkoagulation erhielten.
Eine große Metaanalyse aus 9 großen Studien stellte fest, dass die Gabe von Vitamin A, C, E, Zink Lutein, Zeaxanthin, Alpha Carotin, Beta Carotin, Beta Kryptoxanthin und Lycopene wenig oder kein Effekt auf die primäre Prävention einer frühen altersbedingten Makuladegeneration haben. Dies bedeutet, dass die Einnahme dieser Stoffe bei gesunder Netzhaut nicht notwendig ist.
Eine Subgruppenanalyse der 12-Monatsergebnisse aus der ANCHOR-Studie zeige, dass Ranibizumab in allen Subgruppen bessere Ergebnisse hatte als die Photodynamische Therapie hinsichtlich Visus, Größe der CNV und Alter.
Eine Niederländische Gruppe hat kürzlich festgestellt, dass erhöhte Blutwerte von sehreaktivem Protein ein Risikofaktor für die altersbedingte Makuladegeneration ist, das
C-reaktive Protein ist ein Blutwert, der z. B. bei Herzinfarkt, aber auch bei chronischen Entzündungen erhöht ist.
1 Off-Label-Use ist die Verwendung eines Medikamentes für eine Erkrankung, für die es in Deutschland nicht zugelassen ist. Avastin ist in Deutschland zur Behandlung des Darmkrebses zugelassen.
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