September 2008

Neues aus der Wissenschaft - Beiträge 2008

Glaukom

Eine amerikanische Studie hat herausgefunden, dass leider eine hohe Anzahl von Patienten, bei denen ein Glaukom festgestellt wurde, nicht behandelt wird.

Einteilung der Glaukome:
Das Glaukom wird traditionellerweise nach der Ursache der Augeninnendrucksteigerung ein-geteilt.

 

 

Die Drucksteigerung entsteht meistens wegen einer verminderten Abflussleichtigkeit des Kammerwassers in der Gegend des Kammerwinkels und des Trabekelwerkes. Es gibt verschiedene Ursachen der Störung des Kammerwasserabflusses. Die Augeninnendrucksteigerung kann in jedem Lebensalter vorkommen, nimmt aber mit zunehmendem Alter deutlich zu. Schon bei Neugeborenen oder kurz nach der Geburt kann ein erhöhter Augeninnendruck vorkommen. Man spricht dann von einem angeborenen Glaukom. Das kindliche Glaukom ist eine Drucksteigerung während der Kindheit, im jungen Erwachsenenalter heißt es juveniles Glaukom.

1. 1 Angeborenes Glaukom
1. 2 Kindliches Glaukom
1.3 Juveniles Glaukom
1.4 Primär chronisches Offenwinkelglaukom (POG)
1.4.1 POG mit erhöhtem Augeninnendruck
1.4.2 POG mit normalem Augeninnendruck
1.4.3 POG ohne sichtbaren Glaukomschaden
1.5 Primäres Winkelblockglaukom
1.5.1 Akutes Winkelblockglaukom
1.5.1.1 Pupillarblockmechanismus
1.5.1.2 Plateau-Irismechanismus
1.5.2 Intermittierendes Winkelblockglaukom
1.5.3 Chronisches Winkelblockglaukom
1.5.4 Ciliarblockglaukom
1.6 Sekundärglaukom
1.6.1 Sekundäres Offenwinkelglaukom
1.6.1.1 Glaukom bei Pseudoexfoliationssyndrom
1.6.1.2 Glaukom bei Pigmentdispersionssyndrom
1.6.1.3 weitere Ursachen
1.6.2 sekundäres Winkelblockglaukom
1.6.2.1 Neovaskularisationsglaukom

In den folgenden Mitgliederinfos werden diese Glaukomformen im Einzelnen besprochen.

 

1.1 Angeborenes Glaukom

Kinder mit einem angeborenen Glaukom kommen entweder mit bereits einem erhöhten Augeninnendruck auf die Welt oder der Augeninnendruck steigt in den ersten Lebenswochen an. Glücklicherweise ist das angeborene Glaukom eine eher seltene Form, meist sind beide Augen betroffen, häufig jedoch nicht gleich stark ausgeprägt. Mädchen haben seltener ein Glaukom, gelegentlich wird es von den Eltern vererbt. Derzeit werden die entsprechenden Gene und dafür verantwortliche Mutationen (spontane Veränderungen der Gene) gesucht, sie sind zum Teil auch schon beschrieben. Die Fälle, bei denen Kinder ein angeborenes Glaukom haben, es aber nicht geerbt haben, nennt man sporadische Fälle. In allen Formen ist eine ungenügende Reifung des Kammerwinkels bzw. des Trabekelwerks während der Schwangerschaft Ursache für die Augeninnendrucksteigerung. Der Kammerwasser-abfluss ist gestört, die Kammerwasserproduktion jedoch normal. Deshalb kommt es zur Augeninnendrucksteigerung. Die Folgen der frühkindlichen Steigerung unterscheiden sich von denen beim Erwachsenen. In Abhängigkeit der Höhe des Augeninnendrucks entsteht über Wochen und Monate, evtl. auch über Jahre, die Schädigung des Sehnerven. Beim Säugling kommt es aber neben der Sehnervenschädigung wegen der noch sehr ausgeprägten Dehnbarkeit des Augengewebes zu einer Vergrößerung des Auges, insbesondere aber auch der Hornhaut und Lederhaut. Also Achtung bei Kindern mit angeblich schönen großen Augen!
Da sich einzelne Schichten der Hornhaut wieder besonders gut dehnen lassen, entstehen dort feine Risse, die zu einer leichten bis mäßigen Trübung der Hornhaut führen. Diese Trübung kann sich nach einer Augeninnendrucksenkung wieder teilweise zurückbilden. Viele Kinder mit einem angeborenen Glaukom sind sehbehindert durch die Schädigung des Sehnervenkopfes und/oder auch durch die Hornhauttrübung.

Da das Sehsystem, bestehend aus Auge, Sehnerv und bestimmten Gehirnteilen, bei der Geburt noch nicht vollständig entwickelt ist und für die Ausreifung des Sehens ein normales beidäugiges Sehen notwendig ist, ist die Reifung des Sehapparates auf der betroffenen Seite oder auch auf beiden Seiten bedroht. Es kommt zu einer entwicklungsbedingten Sehschwäche (Ambylopie), die ausschließlich in der frühen Kindheit korrigiert werden kann. Deswegen muss kleinen Glaukompatienten schnellst möglich ein normales beidäugiges Sehen ermöglicht werden.

Ca. 1 von 10.000 Neugeborenen ist von einem angeborenen Glaukom betroffen. Die Früherkennung ist extrem wichtig, da nur bei rechtzeitiger Diagnosestellung den Kindern geholfen werden kann. Erste Symptome sind tränende, erhöht lichtempfindliche Augen, Augenzukneifen, oft reiben sich die Kinder auch mit den Händen in den Augen. Wenn die Augen schon sehr groß erscheinen, ist in der Regel schon ein nicht behebbarer Schaden entstanden. Leider wird dieses Glaukom trotz Vorsorgeuntersuchungen oft zu spät erkannt.

Naturgemäß ist die Untersuchung von Neugeborenen und Säuglingen schwieriger als bei Erwachsenen, man muss deshalb eine exakte Beurteilung in Narkose durchführen. Dabei werden das Auge, der Augeninnendruck und der Sehnerv genau untersucht.

Je nach Schweregrad wird auch die Therapie gewählt. Bei leichten Fällen beginnt man mit augeninnendrucksenkenden Augentropfen, meistens und vor allen Dingen in schwereren Fällen, ist eine Operation notwendig. In Frage kommen die sog. Trabekulotomie, die eine sog. Goniotomie ist, d. h. eine Operation im Kammerwinkel. Die angewandten Operationstechniken sollen den Kammerwasserabfluss verbessern und dadurch zu einer Senkung des Augeninnendruckes führen. Leider kommt es in vielen Fällen trotzdem immer wieder zu Drucksteigerungen, so dass sehr häufige Kontrollen beim Augenarzt notwendig sind. Entweder muss bei erneutem Augeninnendruckanstieg eine medikamentöse Therapie eingeleitet oder die Operation wiederholt werden. Dabei sind mehrfache Wiederholungen der Operation nicht nur möglich sondern oft auch notwendig.

Wenn ein angeborenes Glaukom vorliegt, gibt es auch häufig andere Fehlbildungen des Auges oder auch des übrigen Körpers, man nennt diese Erkrankungen dann Syndrome. Wenn ein Kind also einen hohen Augendruck hat, muss auch nach anderen körperlichen Fehlbildungen gefahndet werden bzw. Kinder mit körperlichen Fehlbildungen müssen auch dringend auf erhöhten Augeninnendruck untersucht werden.



1.2 Kindliches Glaukom

Das kindliche Glaukom ist im weitesten Sinne auch ein angeborenes Glaukom, nur steigt der Augeninnendruck erst etwas später im Laufe der ersten Lebensjahre an. Die Ursache ist ähnlich wie beim angeborenen Glaukom, nämlich dass der Kammerwinkel nicht völlig ausgereift ist, er ist besser ausgereift und deshalb steigt der Augeninnendruck auch erst später an.

Die klassischen Zeichen des angeborenen Glaukoms wie vergrößerte Augen, Tränen blenden, Hornhauttrübung, Reiben fehlen. Manchmal wird das Glaukom im Rahmen einer Früherkennungs-Untersuchung entdeckt, manchmal aber auch weil Eltern mit positiver Familienanamnese ihr Kind auf Glaukom untersuchen lassen.

Ansonsten zeigt sich das kindliche Glaukom in Form von Sehstörungen oder Schielen. Dann liegt meist bereits ein deutlicher Glaukomschaden vor. Das kindliche Glaukom ist eine häufig vererbte Form

Die Folgen der kindlichen Augeninnendrucksteigerung sind im Wesentlichen die gleichen wie beim Erwachsenenglaukom, nämlich Aushöhlung des Sehnerven und Gesichtsfeldstörungen sowie spätere Reduktion der Sehschärfe. Die Prognose ist meistens bei rechtzeitiger Behandlung sehr gut, da bei diesen Kindern in der Regel die Durchblutung noch gut ist. Die Therapie ist nicht grundsätzlich anders als bei anderen Glaukomformen, an oberster Stelle steht zunächst die medikamentöse Therapie, dann die Laserbehandlung bzw. wenn der Kammerwinkel nicht völlig ausgereift ist, die Eröffnung mit der Lasergoniotomie. Wenn diese Laserbehandlung nicht ausreicht, muss der Operateur über die zu wählende Operationsmethode entscheiden. Dabei kann es auch nach gelungener Operation immer noch notwendig sein, dass Medikamente gegeben werden müssen bzw. dass es irgendwann wieder zu einer Augeninnendrucksteigerung kommt. Für diese Kinder gilt die regelmäßige augenärztliche Kontrolle.

Altersbedingte Makuladegeneration

Während des Weltkongresses der Ophthalmologie im Juni/Juli 2008 in Hongkong wurde berichtet, dass die Transplantation von körpereigenen Stammzellen in den subretinalen Raum ungefährlich und ohne Nebenwirkungen ist und ein neues Behandlungskonzept darstellt. Es wurde in einer Studie berichtet, dass sich 10 Patienten, bei denen erfolglos ein Makulaloch operiert wurde, einer Stammzell-transplantation aus körpereigenem Knochenmark unterzogen haben und diese intravitreal injiziert bekamen.

Eine Metaanalyse (das ist eine Analyse von vorliegenden Studien) hat festgestellt, dass eine Diät mit viel Omega 3 Fettsäuren möglicherweise eine altersbedingte Makuladegeneration verhindern kann, daher wird die Empfehlung gegeben, viermal Fisch pro Woche, ein- bis zweimal Leber pro Monat und viel grünes Gemüse zu essen .

Die Implantation von Netzhautpigmentepithelzellen von ungeborenen Föten scheint tatsächlich die Sehschärfe von Menschen mit einer Retinopathia pigmentosa oder trockenen altersbedingten Makuladegeneration verbessern zu können. Dies wäre eine Hoffnung für Menschen mit degenerativen und altersbedingten Netzhaut-erkrankungen .

In einer experimentellen Studie konnte gezeigt werden, dass Avastin eine mögliche Behandlungsform für Retinoblastome ist. Retinoblastome sind Tumore, die bei Neugeborenen und Säuglingen auftreten können .

In einer weitere Studie konnte gezeigt, werden, dass Avastin möglicherweise als Behandlungsmethode geeignet ist, um die der feuchten altersbedingten Makuladegeneration ähnlichen Veränderungen bei hoher Kurzsichtigkeit zu behandeln .

In einer anderen Studie wurde nachgewiesen, dass Kinder, die viel draußen spielen, weniger häufig eine Kurzsichtigkeit haben.

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zu 1: Archive of Ophthalmology, June 2008
zu 2: American Journal of Ophthlamology, August 2008
zu 3: Archives of Ophthalmology, Juli 2008
zu 4: British Journal of Ophthalmology, August 2008
zu 5: Ophthalmology, August 2008

 

Alternative Diagnostikmethoden

Immer wieder wird die sog. Irisdiagnose (Iridologie) als mögliche Diagnostikmethode zur Erkennung von Allgemeinerkrankungen angeführt. Die Irisdiagnose wird überwiegend in Deutschland durch Heilpraktiker angewandt. Der ungarische Arzt Ignaz Peczely entwickelte diese Diagnostikmethode 1880, er glaubte daran, dass Veränderungen in Struktur und Pigmentierung der Regenbogenhaut Hinweise auf krankhafte Prozesse eines Organs bzw. Organsystems liefern.

In einer ausführlichen Studie prüften Herber und Kollegen , ob die Irisdiagnose dazu geeignet ist, ein kolorektales Karzinom (Dickarmkrebs) zu erkennen.

Das Erklärungsmodell der Irisdiagnostik ist, dass die Regenbogenhaut über Nervenverbindungen mit dem gesamten Körper verbunden ist. Die Steuerung über die beiden Nervensysteme Sympatikus und Parasympatikus werde durch das vegetative Nervensystem beeinflusst, sodass systemische Erkrankungen Einfluss nehmen können. Die anatomische Gliederung des Nervus sympaticus „stimme mit der Irislandschaft überein“. Die genannten Autoren legten Fotografien von Patienten mit Dickdarmkrebs und vo gesunden Personen zwei anerkannten Irisdiagnostikern in zufälliger Reihenfolge vor, ohne dass ihnen die Anzahl der erkrankten bzw. gesunden Patienten bekannt war. Sie sollten herausfinden, bei welchen Patienten Hinweise auf einen bösartigen Tumor des Dickdarms in der Iris zu finden waren. Beide Irisdiagnostiker galten als ausgewiesene Fachleute auf ihrem Gebiet und betrieben die Irisdiagnose als Heilpraktiker jahrelang in eigener Praxis und referierten bzw. schrieben zu diesem Thema. Ein Hinweis über die Irisdiagnose, die Patienten mit bösartigem Dickdarmtumor herauszufinden, konnte nicht gefunden werden. Die Autoren gehen auch über die mögliche Erkennung anderer Erkrankungen wie Nierenerkrankungen, Gallenblasenentzündung, Colitis ulcerosa (eine entzündliche Dickdarmerkrankung), Herzkranzgefäßerkrankung und Schuppenflechte ein. Die Irisdiagnose konnte nach derzeitiger Datenlage für die Stellung klinischer Diagnosen als generell ungeeignet eingestuft werden.
 


zu 1: Herber S., Rehbein M., Tepas T., Pohl HC., Esser P., „Hilft die Irisdiagnose bei der Erkennung des kolorektalen Karzinoms“, Ophthalmologe 2008, 105: 570-574, Springer Medizin-Verlag